Der Koffer ist gepackt, die Ferienwohnung am Bodensee gebucht, die Kinder kaum zu bremsen. Und dann, irgendwo zwischen Meersburg und Überlingen, fängt das Jüngste an zu fiebern. Wer jetzt keine Apotheke in der Nähe findet oder nicht weiß, welches Mittel in welcher Dosis geeignet ist, erlebt einen Urlaubstag, der niemanden froh macht. Eine durchdachte Reiseapotheke für Kinder verhindert genau dieses Szenario.
Fieber und Schmerzen: Die Basis-Medikamente
Für die meisten Eltern steht Paracetamol ganz oben auf der Liste. Das Mittel senkt Fieber und lindert Schmerzen, ist für Kinder ab drei Monaten zugelassen und in Zäpfchen-Form auch dann anwendbar, wenn ein Kind nichts schlucken will. Ibuprofen ist ab sechs Monaten und einem Körpergewicht von mindestens fünf Kilogramm geeignet und wirkt zusätzlich entzündungshemmend. Beide Wirkstoffe gibt es als Saft und Zäpfchen in kindgerechter Dosierung.
Wichtig: Die Dosis richtet sich immer nach dem Körpergewicht, nicht nach dem Alter. Wer die genauen Mengen nicht auswendig kennt, notiert sie sich vorab beim Kinderarzt oder schreibt sie auf einen Zettel, der direkt in die Apothekentasche kommt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte weist außerdem darauf hin, dass Aspirin bei Kindern unter zwölf Jahren grundsätzlich nicht eingesetzt werden sollte, da es in seltenen Fällen das sogenannte Reye-Syndrom auslösen kann.
Magen, Darm und die langen Autofahrten
Durchfall und Erbrechen gehören zu den häufigsten Reisebeschwerden bei Kindern. Elektrolytlösungen, also Gemische aus Salzen und Zucker, gleichen den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust aus und sind für Säuglinge wie für Schulkinder geeignet. Die Beutel lassen sich in Wasser auflösen und nehmen kaum Platz weg. Zusätzlich empfehlen viele Kinderärzte Probiotika als Begleitmaßnahme bei Durchfallerkrankungen.
Wer längere Autoetappen plant oder mit dem Schiff über den Bodensee fährt, sollte auch Mittel gegen Reisekrankheit einpacken. Für Kinder ab zwei Jahren sind bestimmte Antihistaminika zugelassen, die Übelkeit und Schwindel lindern. Die genaue Auswahl sollte vorab mit dem Kinderarzt abgesprochen werden, da nicht alle Präparate für jede Altersgruppe geeignet sind.
Wunden, Insekten und Sonnenbrand
Kinder am Bodensee sind draußen. Sie klettern auf Spielplätzen, waten durch Uferzonen und streifen durch den Wald. Deshalb gehören Wundversorgung und Insektenschutz zur Grundausstattung jeder Familienreiseapotheke.
- Pflaster in verschiedenen Größen, am besten kindgerecht mit bunten Motiven, damit das Aufkleben nicht zur Katastrophe wird
- Desinfektionsmittel für Wunden, idealerweise als Spray, das nicht brennt
- Sterile Kompressen und eine elastische Binde für größere Wunden oder Verstauchungen
- Pinzette für Splitter und Zecken
- Zeckenzange oder Zeckenkarte, denn die Region Bodensee liegt in einem Risikogebiet für FSME
- Antihistaminikum-Gel gegen Insektenstiche und juckende Stellen
- Sonnenschutzcreme mit hohem Lichtschutzfaktor, mindestens LSF 30, besser 50 für kleine Kinder
- Kühlkompresse oder Kühlbeutel für Prellungen und Stiche
Bei Zeckenstichen gilt: Das Tier so schnell wie möglich mit einer Zeckenzange entfernen, dabei nicht drehen und nicht quetschen. Die Bissstelle in den folgenden Wochen beobachten. Zeigt sich eine ringförmige Rötung, sofort einen Arzt aufsuchen. Informationen zur Risikogebieteinteilung und zu Schutzimpfungen liefert das Robert Koch-Institut, das FSME-Risikogebiete jährlich aktualisiert.
Was Eltern oft vergessen
Eine vollständige Reiseapotheke Checkliste fuer Familien umfasst neben den Medikamenten auch praktische Hilfsmittel, die im Alltag selbstverständlich sind, aber beim Packen schnell vergessen werden.
Dazu gehört ein digitales Fieberthermometer. Das ohrbasierte Modell ist bei kleinen Kindern einfacher anzuwenden als ein Rektal-Thermometer. Wer ein Baby unter drei Monaten dabei hat, sollte allerdings wissen, dass Ärzte für diese Altersgruppe weiterhin die rektale Messung als genaueste Methode empfehlen.
Ebenfalls oft vergessen: die Krankenversicherungskarte und, bei Reisen in die Schweiz oder nach Österreich, ein Auslandskrankenschein oder eine Bestätigung der Auslandskrankenversicherung. Rezeptpflichtige Medikamente, die ein Kind dauerhaft einnimmt, sollten in ausreichender Menge mitgenommen werden, ergänzt durch ein ärztliches Attest in der Landessprache des Reiseziellands.
Dosierungen und Haltbarkeit im Blick behalten
Jede Reiseapotheke sollte einmal pro Jahr komplett durchgesehen werden. Abgelaufene Medikamente verlieren an Wirksamkeit oder können in seltenen Fällen sogar schädlich werden. Beim Entsorgen gilt: Arzneimittel gehören nicht in den Hausmüll und nicht in den Abfluss, sondern zum Schadstoffmobil oder in entsprechende Rücknahmebehälter der Apotheken.
Wer unterwegs ist und ein Medikament nachkaufen muss, sollte bedenken, dass Produktnamen international stark variieren. Der Wirkstoffname auf dem Beipackzettel, also zum Beispiel „Ibuprofen“ statt „Nurofen“, erleichtert die Verständigung in einer ausländischen Apotheke erheblich. Das gilt auch für Apotheken in der Schweizer Bodenseeregion, wo einige Marken unter anderen Namen geführt werden.
Sicherheit schafft Entspannung
Eine gut vorbereitete Reiseapotheke bedeutet nicht, dass der Urlaub unter dem Zeichen der Angst steht. Im Gegenteil: Wer weiß, dass er auf häufige Beschwerden sofort reagieren kann, reist deutlich entspannter. Kinder spüren diese Ruhe. Und gerade an einem Ort wie dem Bodensee, mit seinen langen Uferwegen, den Spielmöglichkeiten am Wasser und den zahlreichen Familienausflügszielen, lohnt sich die Mühe beim Packen doppelt.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass Reisemedizin grundsätzlich individuell auf das Reiseziel, das Alter der Kinder und bekannte Vorerkrankungen abgestimmt sein sollte. Einen guten wissenschaftlichen Überblick zu Reisemedizin und Impfempfehlungen bietet auch der entsprechende Wikipedia-Artikel zur Reisemedizin, der als Einstieg für die eigene Recherche nützlich ist. Die abschließende Beratung gehört jedoch immer in die Hände eines Arztes oder Apothekers, der die konkrete Situation des Kindes kennt.

