Warum der Bodensee ein guter Startpunkt ist
Der Bodensee gehört zu den windreichsten Binnenseen Mitteleuropas. Besonders zwischen Friedrichshafen und Konstanz weht der Westwind verlässlich, im Frühjahr und Herbst kommen dazu thermische Winde vom Schweizer Ufer. Für Einsteiger sind das gute Bedingungen: Das Wasser ist vergleichsweise ruhig, die Ufer sind gut erreichbar, und es gibt mehrere Surfschulen, die Kurse und Leihausrüstung anbieten. Wer ernsthaft anfangen will, kommt aber schnell an den Punkt, wo er über eine eigene Ausrüstung nachdenkt.
Dieser Artikel richtet sich an Menschen, die noch keine eigene Ausrüstung besitzen und verstehen wollen, was wirklich notwendig ist, was man sich zunächst sparen kann und welche Fehler beim Kauf häufig passieren.
Das Brett: Größe schlägt Marke
Beim ersten Brett zählt vor allem das Volumen. Als Faustregel gilt: Das Anfängerboard sollte mindestens das eigene Körpergewicht in Kilogramm plus 100 bis 120 Liter Volumen haben. Wer also 75 Kilogramm wiegt, ist mit einem Board zwischen 175 und 195 Litern gut bedient. Boards in diesem Bereich nennt man im Jargon „Leichtwind-“ oder „Funsurfer-Boards“. Sie liegen stabil auf dem Wasser, verzeihen Fehler beim Aufsteigen und ermöglichen es, das Gleichgewicht zu halten, ohne ständig ins Wasser zu fallen.
Viele Einsteiger kaufen zu früh zu kleine Boards, weil sie auf gebrauchten Fotos schnittige Shapes sehen. Das ist ein Fehler. Ein 120-Liter-Board ist für jemanden mit wenig Erfahrung kaum kontrollierbar, sobald der Wind nachlässt oder die Welle kommt. Boards mit mehr Volumen kosten neu zwischen 600 und 1.200 Euro, gebraucht bekommt man brauchbare Modelle oft für 150 bis 400 Euro. Auf die Marke kommt es dabei weniger an als auf Zustand, Volumen und passende Finne.
Rigg, Segel und Mast: Das unterschätzte Herzstück
Das Rigg besteht aus Segel, Mast, Gabelbaum und Mastfuß. Gerade beim Kauf gebrauchter Ausrüstung wird dieser Teil häufig unterschätzt. Ein verbeulter Mast oder ein gerissenes Segel kann den Lernerfolg stark beeinträchtigen.
Für Einsteiger empfehlen sich Segel zwischen 4,5 und 6,0 Quadratmetern. Am Bodensee mit seinen typischen Windstärken zwischen drei und fünf Beaufort ist ein 5,0- oder 5,5-Quadratmeter-Segel ein guter Allrounder. Wichtig: Das Segel muss zum Mast passen. Hersteller geben den IMCS-Wert an, der die Steifigkeit des Mastes beschreibt. Kauft man Mast und Segel separat, muss dieser Wert übereinstimmen, sonst liegt das Segel schlecht im Wind und baut keinen vernünftigen Zug auf.
Wer sich über aktuelle Modelle und typische Preisspannen informieren will, findet auf Seiten wie Windsurf Ausrüstung regelmäßig Tests und Marktübersichten, die den Einstieg erleichtern. Ein komplettes Einsteiger-Rigg neu kostet zwischen 400 und 900 Euro, gebraucht sind es oft 150 bis 350 Euro für ein solides Set.
Neoprenanzug: Am Bodensee kein optionales Extra
Die Wassertemperatur am Bodensee liegt selbst im Hochsommer selten über 22 Grad, im Frühjahr und Herbst oft unter 15 Grad. Wer ohne Neopren surft, riskiert schnell Unterkühlung, und Stürze ins Wasser gehören beim Einsteiger zur Tagesordnung. Ein 3/2-mm-Neoprenanzug reicht für die Monate Mai bis September. Ab Oktober und bis April ist ein 5/3-mm-Anzug sinnvoll, wer häufig surft, kann zusätzlich Schuhe und Handschuhe in Betracht ziehen.
Beim Kauf eines Neoprenanzugs gilt: Passform schlägt Preis. Ein schlecht sitzender Anzug lässt kaltes Wasser einspülen und schützt kaum. Markenanzüge von O’Neill, Mystic oder Prolimit kosten neu zwischen 80 und 250 Euro. Gebraucht ist Vorsicht geboten, da Neopren altert und porös wird.
Was man wirklich braucht und was warten kann
Es ist verlockend, von Anfang an alles kaufen zu wollen. In der Praxis sind aber viele Extras für Einsteiger schlicht unnötig. Die folgende Übersicht zeigt, was in welcher Phase sinnvoll ist:
| Ausrüstung | Einsteiger (0 bis 20 Stunden) | Fortgeschrittene (ab 50 Stunden) |
|---|---|---|
| Anfängerboard (180+ Liter) | Ja, unbedingt | Kann verkleinert werden |
| Segel 5,0 bis 5,5 qm | Ja | Zweites Segel sinnvoll |
| Neopren 3/2 oder 5/3 mm | Ja, unbedingt | Ja |
| Trapez | Noch nicht notwendig | Ja, ab Windstärke 4 |
| Harness-Lines | Nein | Ja |
| Zweites Segel (kleiner/größer) | Nein | Sinnvoll |
Das Trapez gehört zu den Ausrüstungsgegenständen, die viele zu früh kaufen. Es dient dazu, den Körperschwerpunkt in den Zug des Segels zu hängen und die Arme zu entlasten. Sinnvoll ist das aber erst, wenn man das Gleichgewicht auf dem Board sicher beherrscht und das Segel kontrolliert bedienen kann. Für die ersten zehn bis zwanzig Stunden auf dem Wasser ist es eher hinderlich als hilfreich.
Neu oder gebraucht kaufen am Bodensee
Am Bodensee gibt es eine aktive Windsurfszene, was den Gebrauchtmarkt belebt. Besonders in Friedrichshafen, Konstanz und Bregenz finden sich über lokale Surfklubs und Kleinanzeigenportale regelmäßig gut erhaltene Einsteiger-Sets. Ein vollständiges gebrauchtes Setup aus Brett, Rigg und Neopren ist häufig für 400 bis 700 Euro zu bekommen.
Wer neu kauft, sollte auf Pakete achten, die Surfschulen und Fachhändler schnüren. Diese sind oft besser aufeinander abgestimmt als Einzelkäufe aus verschiedenen Quellen. Ein seriöser Händler erklärt außerdem, welches Rigg zum gewählten Brett passt, und berät beim Neopren zur Passform.
Kurse vor dem Kauf: Sinnvoller Umweg
Wer noch nie auf einem Surfbrett stand, sollte vor dem Kauf einen Grundkurs belegen. Mehrere Surfschulen am Bodensee bieten Anfängerkurse über ein Wochenende an, Kosten meist zwischen 120 und 200 Euro inklusive Ausrüstung. Nach zwei Tagen auf dem Wasser weiß man deutlich besser, ob das Windsurfen wirklich das Richtige ist, welche Körpergröße und welches Gewicht welche Boardgröße braucht und wie sich verschiedene Segel im Wind anfühlen. Das spart hinterher oft mehr Geld, als der Kurs kostet.
Windsurfen am Bodensee ist kein teures Hobby, wenn man von Anfang an das Richtige kauft. Wer auf Volumen beim Brett, passende Rigg-Kombination und einen guten Neopren achtet, ist für den Start bestens ausgestattet, ohne unnötig viel Geld auszugeben.

